Hüttenchronik 1843 – 2005
Chronik des Strukturwandels:
Vom Stahlgiganten zum Satellitenkompetenzzentrum

1843
322 Einwohner, 7 Bauernhöfe, 20 Kotten und Haus Bruch mit seinen Parkanlagen prägen den Welperberg und die Ruhrauen.
1853
Graf Heinrich zu Stolberg-Wernigerode beauftragt Carl Roth mit dem Aufbau eines Hochofenwerkes in Westfalen.
1854
Protest der Bevölkerung gegen Konzessionierung der Hütte erfolglos. Hütte als „gemischter Betrieb“ gegründet.
1855
Anblasen des ersten Hochofens. 300 Mann Belegschaft.

1857 – 1930
Wechselnde Besitzer, Aufgehen der Hütte in der Ruhrstahl AG.
1855 – 1944
Belegschaft wächst von 350 auf 9000 an, darunter 2500 Zwangsarbeiter.
1945
Hütte erhält 151 Bombentreffer. Artillerie-Beschuss
1950
Entflechtung der Ruhrstahl AG, anschließend Inbetriebnahme der Hochöfen I – III, Stilllegung der Kokerei, Verlegung der Ruhr zur Geländeerweiterung.
1961
Inbetriebnahme der Bandsinteranlage.
1970
Inbetriebnahme des LD Stahlwerkes.
1974
Henrichshütte in die August-Thyssen-Hütte einbezogen.
1976
Inbetriebnahme des Elektrostahlwerks.
1983 – 1987
Stilllegung der Walzstraße und des Hochofenbetriebes.
1987
Initiative der IG Metall Hattingen und der Stadt Hattingen zur Sicherung des Ausbildungszentrums der Henrichshütte.
1988
Stahlwerk, Schmiedebetrieb und Bearbeitungswerkstätten werden von der ..Vereinigten Schmiedewerkgesellschaft (VSG) übernommen. Alle anderen Bereiche sind stillgelegt.
1989
Einbeziehung der Hochofenanlage in das Industriemuseum. Start des Modellversuchs „Entwicklung eines Qualifizierungszentrums als Beitrag zum Strukturwandel der Region“.
1993
Stilllegung von Stahlwerk und Gießerei.
1994
Ausbildungszentrum der Thyssen Edelstahlwerke in Witten wird dem BWH angegliedert.
1997
Beginn der Ansiedlung von weiteren Unternehmen aus den Bereichen Forschung und Bildung, berufliche Bildung und Qualifizierung, Beratung und Telekommunikation in der ehemaligen Lehrwerkstatt.
2002
Im Herbst offizielle Eröffnung des Kompetenzzentrums SatkomRuhr im umgebauten ehemaligen Hochbunker der Henrichshütte.
2004
Insolvenz des Ausbildungsbetriebes BWH.
2005
Verkauf der alten Lehrwerkstatt, Satkom-Ruhr und der alten Direktionsvilla (weißes Haus) an einen privaten Investor.

 

 

 

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1996
Am 24.09.1994 um 13.03 MEZ wurde der Gasometer, der bislang die Gasversorgung der Produktionsstätten der früheren Ruhrstahl AG sicherstellte, gesprengt, um neuen Baumaßnahmen unter anderem auch dem Satkom Tower Platz zu bieten.
 2003
Der WDR Studio Dortmund war mit 4 Kamera-Teams zur Sprengung des LD-Blasstahlwerks, der letzte Stahlgigant auf dem ehemaligen Werksgelände der Ruhrstahl AG, heute Thyssen, angereist, um der Nachwelt eine Dokumentation des ehemaligen Stahlstandortes Hattingen zu überliefern.
 2003
Im September 2003 sprengte man nach langen Verhandlungen, ob es nun dem „Rheinisch-Westfälischen-Industriemuseum“ angegliedert werden soll oder nicht, letztendlich das „LD-Blasstahlwerk“ als letztes noch bestehendes Relikt der alten Ruhrstahl AG. Es fiel präzise, wie von der Abbruch-Firma geplant, im Beisein einiger hundert Zuschauer in einer riesigen Rauchwolke, die sich noch lange Zeit über das Ruhrtal erstreckte, in sich zusammen.2003
Ein letzter Blick auf den ausgeschlachteten Stahlgiganten kurz vor seiner Sprengung. Für viele der anwesenden Zuschauer, darunter auch ehemalige Mitarbeiter der Thyssen AG, war dies ein Augenblick, der mit großer Wehmut betrachtet wurde, ja man sah in manchen Augen einige Tränen des Abschiedes. Hier hatten sie in all den Jahren ihre Arbeit gefunden und ihre Familien ernährt, denn es wird an diesem Standort des „Stahls“ für ihre Nachkommen keine Arbeitsplätze mehr geben.